Weltweiter Tag der genitalen Selbstbestimmung 2023

7. MAI 2023 – Weltweiter Tag der Genitalen Selbstbestimmung (WWDOGA) – 11 JAHRE “KÖLNER URTEIL”

 

VOR ORT:
KÖLN, Sonntag, 7. Mai 2023, 11:00 Uhr – Köln, Rudolfplatz (Treffpunkt) Zentrale Kundgebung mit Reden: ab 12:00 Uhr Köln, Alter Markt

DIGITAL:
Live-Stream aus Köln ab 12:00 Uhr und weitere Beiträge nach Ankündigung auf www.genitale-selbstbestimmung.de und bei YouTube, Facebook

An diesem Tag jährt sich die Verkündung des "Kölner Urteils" zum elften Mal. Dieses hatte 2012 auch Jungen das Recht auf genitale Selbstbestimmung zugesprochen, indem es eine medizinisch nicht indizierte Vorhautentfernung („Beschneidung“) eines Jungen als eine strafbare Körperverletzung bewertete. Inzwischen ist der 7. Mai längst weltweit zu einem Symbol für die Selbstbestimmungsrechte des Kindes unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion und Tradition geworden.


Inhaltlicher Schwerpunkt in diesem Jahr: GENITALE SELBSTBESTIMMUNG in der Kunst!
In Film, Literatur, Theater, Malerei und Bildhauerei ist Genitale Selbstbestimmung schon lange und zunehmend ein Thema. Besonders die Perspektiven der betroffenen Personen finden sich hier wieder. Kunst und ihre Ausdrucksformen erweitern den Diskursraum, gehen auch hier voran in der Werbung für Menschenrechte, Empathie und Selbstbestimmung.


Der „Weltweite Tag der Genitalen Selbstbestimmung“ fordert:

- Einhaltung und Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention Art. 2 (Schutz vor Diskriminierung), Art. 3 (Vorrang des Kindeswohls) und Art. 24, Absatz 3 (Abschaffung schädlicher Bräuche).

- Gesetzesinitiativen weltweit, die den Schutz aller Kinder unabhängig vom Geschlecht vor nicht-therapeutischen Genitaloperationen vorsehen.

- Schutz von Kindern mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen vor medizinisch nicht notwendigen Genitaloperationen und weiteren Eingriffen.

- Sofortiger Stopp der Massenbeschneidungen von Jungen im Rahmen angeblicher HIV-Prävention in afrikanischen Ländern.

- Öffentliche Forschung und Aufklärung zu den Folgen von nicht-therapeutischen Genitaloperationen an Kindern in ihren unterschiedlichen Formen und sozialen Kontexten.

 

Thema 2023: Genitale Selbstbestimmung in der Kunst – Beispiele

Zahleiche Kunstschaffende weltweit bearbeiten das Thema Weibliche Genitalverstümmelung. Ein Höhepunkt war die Musical-Fassung von Waris Diries Buch „Wüstenblume“ am Theater St. Gallen 2020. Die Ausstellung "100 Cuts" des Berliner Künstlers Clemens Krauss im Rahmen des Gallery Weekend Berlin 2019 protestierte mit hundert gleichformatigen Ölgemälden von Vulven und Penissen gegen genitale Zwangseingriffe aus kulturellen oder religiösen Motiven. Im Animationsfilm „Hermes und Aphrodite“ erzählt Gregor Zootzky (Köln) die Geschichte des intergeschlechtlichen Kindes Sascha, das so akzeptiert werden möchte, wie es ist – und erfährt, damit nicht allein zu sein.  Das Schauspiel „Der Goldene Schnitt“ von Tuğsal Moğul 2016 am Theater Dortmund thematisierte die Zweifel eines Elternpaares am eigentlich schon feststehenden Entschluss, ihrem Sohn die Penisvorhaut abschneiden zu lassen. Immer stärker kommen dem Vater seine eigenen Erlebnisse wieder in den Sinn. Im Bereich Kurz-Film entstanden zuletzt mit „Shalem“ (Israel) von Shay Silberman und „Le ciel est de la même couleur ici“ (Afghanistan) von Mohammad Badr eindrucksvolle Beispiele aus Betroffenenperspektiven heraus.

 

Wann sind Mädchen endlich geschützt?

Laut WHO beschreibt der Begriff der Weibliche Genitalverstümmelung (FGM) alle Praktiken, bei denen die äußeren weiblichen Genitalien teilweise oder vollständig entfernt werden sowie alle sonstigen medizinisch nicht begründete Verletzungen am weiblichen Genital. Abhängig von Motiven und Art der Beschneidung, führt der Eingriff für die Betroffenen zu unterschiedlich starken gesundheitlichen, physischen, sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen. Die Praktik ist in jeglicher Form international als schwere Menschenrechtsverletzung anerkannt und wird dennoch weltweit praktiziert: In 29 Ländern in Sub-Saharaafrika sowie in Süd-, Südost- und Zentralasien als auch in Europa, den USA und Kanada. Besonders in Asien nehmen durch medizinisches Personal ausgeführte Formen zu, die immer wieder in Forderungen nach einer rechtlichen Duldung münden – was eindeutig der WHO widerspräche.

 

Auch Jungen gehört ihr Genital allein

Der eigentlich verharmlosende Begriff „Beschneidung“ steht bei Jungen für die Amputation („amputare“: ringsherum abschneiden) der Vorhaut, die den Verlust von durchschnittlich 50 % der gesamten Penishaut, darunter des für sexuelle Empfindungen sensibelsten Teils, mit sich bringt und die natürliche Physiologie des Penis sowie dessen Erscheinungsbild irreversibel verändert. Komplikationen sowie physische und psychische Spätfolgen werden zunehmend dokumentiert.
Erkrankungen der Vorhaut machen nur in seltenen Fällen eine Vorhautentfernung medizinisch unumgänglich. Eine beschwerdefreie Vorhautenge im Kindes- und Jugendalter ist keine Krankheit. Oft weitet sich die Vorhaut erst in der Pubertät. Bei tatsächlichen Beschwerden helfen in den meisten Fällen nichtoperative Therapien.

 

Leiden und Trauma von Intersex-Kindern durch Genital-OPs ohne eigene Einwilligung

Ein bis zwei von 1000 Kindern werden mit “atypischen” körperlichen Geschlechtsmerkmalen geboren. Es kommt immer wieder zu frühen Genitaloperationen mit geschlechtsbestimmendem Charakter und zu Hormonbehandlungen vor der Einwilligungsfähigkeit. Die Betroffenen haben später das Gefühl abnorm zu sein und sind in ihrer körperlichen Unversehrtheit ungefragt übergangen worden. Alle pädiatrischen Verbände in Deutschland empfehlen inzwischen, diese Maßnahmen nur noch in einem Alter vorzunehmen, in dem die betroffene Person einwilligungsfähig ist. Auch international bewegt sich die fachliche Diskussion teilweise in diese Richtung. Körperliche Integrität und Selbstbestimmung müssen aber vielerorts noch in die Wirklichkeit der Praxis integriert werden. Seit 20 Jahren protestieren Betroffene öffentlich gegen diese Operationen, die sie als fundamentale Menschenrechtsverletzung, Genitalverstümmelung, als traumatisierend und zerstörerisch für das sexuelle Empfinden beschreiben. Vorwürfe, die auch durch Menschenrechtsgremien wie den UN-Kinderrechtsausschuss bekräftigt werden.

 

Diskriminierung von transsexuellen Menschen

Trans* Menschen möchten häufig ihre körperlichen Merkmale durch eine Operation an ihr wahres Geschlecht angleichen. Soll aus einem Penis eine Vulva gebildet werden, fehlt ohne die Vorhaut ideales Gewebe in erheblichem Ausmaß.

 

Hass und Menschenfeindlichkeit haben bei uns keinen Platz!
Wir fordern alle Protestierenden auf, sich deutlich von Pauschalisierungen und Menschenhass zu distanzieren und immer wieder deutlich zu machen, dass es nur um das Wohl, die körperliche Unversehrtheit und das Recht des Kindes auf Selbstbestimmung gehen kann.

 

Unsere Info-Seite mit weiterführenden Links zu u.a. aktueller Fachliteratur aus Deutschland, der Türkei, den USA u.v.a., Zeugnissen von Betroffenen, Filmen, Aufklärungsbüchern und -broschüren und Vortrags-Videos internationaler Wissenschaftler finden Sie HIER.